Am Fuße des ältesten fränkischen Kreuzwallfahrtsortes liegt eines der jüngsten Pfarrgebilde des Bistums Würzburg, die Kuratie Volkers. Errichtet wurde sie unmittelbar nach der Auflösung des Franziskanerklosters auf dem Volkersberg im Jahr 1966 vom Würzburger Bischof Dr. Josef Stangl. Über 300 Jahre lang hatten die volksnahen Franziskaner die Menschen rund um den Volkersberg seelsorglich betreut. Parallel wirkten auch Missionsdominikanerinnen vom Kloster Neustadt am Main mehr als 90 Jahre segensreich an dieser Stätte bis zum Jahr 2013.

Mittlerweile zählt die Kuratie mit ihren rund 300 katholischen Christen zur Pfarreiengemeinschaft St. Georg – Maria Ehrenberg, die am Pfingstsamstag, 14. Mai 2016 gegründet wurde, was einen weiteren Meilenstein auf dem Weg der kirchlichen Neustrukturierung im Altlandkreis Bad Brückenau bedeutete. Zu dieser Pfarreiengemeinschaft gehören außer Volkers die Pfarreien Bad Brückenau (mit der Filiale Römershag), Motten und Kothen (mit der Filiale Speicherz) sowie die Kuratie Wernarz und nicht zuletzt ein zweiter beliebter Wallfahrtsort, der Maria Ehrenberg, im Truppenübungsplatz Wildflecken gelegen. Geleitet wird die Pfarreiengemeinschaft von Pfarrer Michael Krammer in Kooperation mit einem Seelsorgeteam.

Seit dem Mittelalter ist der Volkersberg, von den Franziskanern auch als der Kleine Berg Sinai bezeichnet, religiöses und spirituelles Zentrum der Region. Die seit 60 Jahren auf dem Berg angesiedelten Bildungseinrichtungen Jugendbildungsstätte und Lernwerk unter dem Namen Haus Volkersberg firmierend führen diese Tradition in lebendiger und zeitgemäßer Weise fort. Der Volkersberg hat deutschlandweit einen Namen!

Wallfahrtskirche Volkersberg

Ins helle Licht der Geschichte rückt die Kapelle zum Heiligen Kreuz auf dem Volkersberg im Jahr 1378 durch eine Messstiftung des Eberhard von Erthal und seiner Ehefrau Kunigunde. Wenige Jahrzehnte später ist eine Kreuzbruderschaft bezeugt, bis 1499 wohnten Einsiedler (Begarden) auf dem Berg.

Bereits im Mittelalter wallten zahlreiche Menschen aus der Region zum Heiligen Kreuz auf dem Volkersberg, 1453 erfolgte eine Erweiterung und Neuweihe der Kirche mit nunmehr zwei Seitenaltären. Die Wallfahrt kam durch die Reformationszeit vermutlich zum Erliegen, erfuhr jedoch unmittelbar nach dem Dreißigjährigen Krieg einen neuen Aufschwung. Das Wallfahrtsjahr begann am 3. Mai mit Kreuzauffindung und erstreckte sich über viele Gedenktage und kirchliche Feste bis Michaeli am 29. September. Am Gelobten Tag ihrer Stadt - Mauritius am 22. September – kommen die Brückenauer bis heute zum Berg, um für den Schutz bei der großen Pestepidemie des Jahres 1575 zu danken. Der große Zustrom der Pilger auf den Volkersberg nach dem Dreißigjährigen Krieg sowie die neuen Aufgaben aufgrund der Vergrößerung der Seelsorgeeinheit in den 1650er Jahren (der Pfarrer hatte neben Leichtersbach und Brückenau auch die Orte Kothen und Werberg zu betreuen) waren für Pfarrer Speckmann nicht mehr zu bewältigen. Der Fuldaer Fürstabt Joachim von Grafenegg berief deswegen Franziskaner von der Thüringischen Ordensprovinz auf den Volkersberg. 1661 wurde der Grundstein zum Kloster, 1664 der zur Wallfahrtskirche gelegt.

Barocker Kreuzweg

In den Jahren 1750 bis 1754 erfuhren die Wallfahrten auf den Volkerberg durch die Errichtung eines Kreuzweges eine weitere Bereicherung. Gestalter der Anlage war der Franziskanerbruder und Künstler Wenzeslaus Marx, der bereits als junger Kunsthandwerker am Kreuzweg des Klosters Altstadt (Hammelburg) mitgewirkt und später die Stationen auf dem Fuldaer Frauenberg gestaltet hatte.

Heute beginnt der Kreuzweg an der äußeren Einfahrt des Hauses Volkersberg, zieht sich an der Nordflanke des Berges entlang hinauf zum Friedhof und endet vor der Kirche. Die 13 Stationshäuschen des Kreuzweges wurden schon mehrfach restauriert, letztmals im Jahr 2002. Die gesamte Kreuzweganlage gilt als wertvolles Kunstwerk des Barock.

Das Portal der Wallfahrtskirche hat die Inschriften
HAEC PIA IN MONTE O SINAI AEDIFICATIO EST
(Es steht auf dem Berg O Sinai dieses fromme Gebäude)

SI CRUX HIC ANGIT
SEV COR TRIBVLATIO FRANGIT
TOLLIT CREDE TRVCES
CRUX SACROSANCTA CRVCES
(Wenn dir ein Kreuz Angst macht
oder Leid das Herz bricht,
glaube: das Heilige Kreuz trägt
deine quälenden Kreuze mit)

Beide in Stein gemeißelten Inschriften sind auch Chronogramme, d.h. sie ergeben eine Jahreszahl, in diesem Fall das Jahr 1707, in dem die Kirche erweitert wurde.

Kurzchronik der Kuratie Volkers

Die Kuratie Volkers wurde am 24. Februar 1966 durch Bischof Dr. Josef Stangl errichtet. Erster Pfarrer der Kuratie war Prälat Wilhelm Heinz (1966-1978), der mit der Kuratie zeitlebens verbunden blieb. Ihm folgten Pfr. Albert Leutbecher (1978-1984), Pfr. Edwin Erhard (1984-1991), Pfr. Alfred König (1991-2002), Pfr. Ulrich Debler (2002-2004) und Pfr. Guido Sauer (2005-2007). Diakon Wilfried Beck sowie die Schwestern der Missionsdominikanerinnen haben über Jahrzehnte hinweg das Leben der christlichen Gemeinde in Volkers wesentlich gefördert und inspiriert. Die Schwestern pflegten den Kontakt zum Dorf durch Besuche und gewannen so gutes Vertrauen im Dorf.

Am Pfingstfest 2009 trat die Kuratie der PG St. Georg Bad Brückenau bei und an Pfingsten 2016 wurde dann die neue PG St. Georg – Maria Ehrenberg ins Leben gerufen.

Der erste Pfarrgemeinderat (PGR) wurde im Jahr 1968 gewählt. Aus diesem Gremium leben heute noch die folgenden Mitglieder in Volkers: Gertrude Uebelacker, Anna Brust und Eugen Übelacker. Insgesamt waren bis heute 101 Personen im PGR aktiv.

Die erste Kirchenverwaltung wurde im Jahre 1965 gewählt. Josef Walter hat dieser seither bis zum Jahre 2006 durchgängig angehört. Bisher waren 40 gewählte Mitglieder bereit, sich für die Kuratie einzusetzen.

Die Ministrantinnen und Ministranten sind ebenso ein wichtiger Bestandteil unserer Kirchengemeinde. In bisher weit über 5.000 liturgischen Diensten haben sie einen wichtigen Anteil am Gemeindeleben. Denn was wäre die Gemeinde ohne Sternsinger, Klappern, Hutzelfeuer etc.

Frauen und Männer im Lektoren- und Kommunionhelferdienst sowie in Sakristei und an der Orgel gestalten seit langen Jahren die Gottesdienste mit.

In der Wallfahrtskirche sind in diesen 50 Jahren auch einige Veränderungen und Renovierungen angefallen wie z.B. Einbau einer Heizung, eine neue Orgel, sowie zwei Innenrenovierungen. Der Friedhof wird seit dieser Zeit von der Kuratie in Eigenverantwortung verwaltet, genutzt und gepflegt.

Aus der Kuratie Volkers entstammten eine Ordensschwester (Borromäa Baier) und ein Ordensbruder (Eulogius Weber). 2006 empfing Michael Kubatko aus Volkers die Priesterweihe.

Zum Gedenken an die Verstorbenen unserer Gemeinde hat Rita Weber eine Sammlung der Sterbebildchen seit 1966 angelegt und pflegt diese bis heute.

Aus den vielfältigen Aktivitäten der Kuratie haben bis heute ein monatlich gefeierter Frauengottesdienst, die jährlichen Ausflüge in die verschiedenen Bistümer Deutschlands, die Romfahrten der Ministranten, die Rorateandachten, die Rosenkranzgebete in der Alten Schule und die Gesprächstage überlebt.

Andere aber, wie der Krankenhausbesuchsdienst, der Bibelkreis, die Exerzitien im Alltag, Bittprozessionen etc. sind mangels Interesse eingeschlafen.

Ferner zeichnet die Kuratie die Zusammenarbeit mit dem Familienförderverein und die abwechslungsreiche Gestaltung der Aktiv60+ Nachmittage aus.

Dankbar sind die Volkerser für die vielfältig erfahrene Gastfreundschaft des Hauses Volkersberg – Berg und Dorf sind seit Jahrhunderten eng miteinander verknüpft.